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Warum Multimodalität eine Lösung ist.

1. Petra B. fährt jeden Morgen mit ihrem Pkw (Golfklasse) von Radebeul nach Dresden in den östlichen Teil der Stadt auf ihrem Weg zum Büro. Petra hat fährt überwiegend in der Stadt, längere Strecken über Land oder auf Autobahnen sind ihr verhasst. Sie fliegt in den Urlaub und wenn sie ihre Verwandten in Erfurt besucht, nimmt sie den Zug. Petra fährt ausschließlich mit dem Auto zur Arbeit, da ist es gemütlich und warm und sie hört dabei ihren Lieblingssender im Radio. Diese morgend- und abendlichen Fahrten, die jeweils ca. 40 Minuten in Aspruch nehmen schätzt Petra, weil diese Zeit ganz ihr gehört.
Petra ärgert sich regelmäßig über die vielen Busse und LKW, die sie auf dem Weg zur Arbeit begleiten und schon morgens um 7.00 die Straßen verstopfen. Am Nachmittag, wenn Sie gegen 16.00 wieder die Heimfahrt antritt, stören sie die vielen Radfahrer, die sie permanent überholen muss und die sie schon an der nächsten Ampelkreuzung wieder eingeholt haben.
Petra findet, die Radfahrer sollten alle auf getrennten Radwegen untergebracht sein und am besten den Elberadweg nutzen, da stören sie am wenigsten. Im übrigen ist der Elberadweg auch ein beliebtes Ausflugsziel für Petra am Wochenende, wo die 49-jährige mit einer Freundin Fahrradtouren zu den Ausflugslokalen und Sehenswürdigkeiten in Richtung Osten unternimmt. Hier stören Petra die vielen Inlineskater und obgleich sie selbst schon Enkel hat, findet sie, dass Kinder eigentlich nicht gut auf dem Elberadweg aufgehoben sind. Ständig muss man bremsen und ausweichen. Mehrfach kam es da schon zu brenzligen Situationen, die nur durch ihr sehr schnelles und defensives Verhalten entschärft werden konnten.

2. Rolf ist eingefleischter Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel. Er ist mit dem Angebot in seiner Stadt überaus zufrieden und findet, das Studententicket mit integriertem Ticket für seinen Weg zur Universität und alle weiteren Wege durch die Stadt sind eine gute Regelung. Er kann während der Fahrt lesen und Musik hören und muss sich um nichts weiter selbst kümmern. Rolf nutzt die Verkehrsmittel zu sehr unterschiedlichen Zeiten, durchaus auch nachts, wenn er nach Kneipentouren oder von Konzerten nach Hause fährt. Rolf hat zwar einen Führerschein, fährt aber sehr selten Auto. Zuletzt hatte er sich bei Ikea einmal einen Transporter geliehen, als es um die Einrichtung seiner Wohnung gegangen war. Ihn stören ab und zu betrunkene andere Jugendliche, die mit Bierflaschen in den Händen lautstark pöbeln und andere Fahrgäste stören. Mehrfach ist er schon Auseinandersetzungen aus dem Weg gegangen, die von betrunkenen Jugendlichen ausgingen. Rolfs Fahrrad wurde zum wiederholten Mal gestohlen, so dass er zur Zeit gar keins besitzt,

3. Ina hat zwei Kinder und lebt mit ihrem Mann einen alternativen Lebensstil. Beide sind politisch und ökologisch engagiert und haben sich vor Jahren schon gegen ein Auto entschieden. Sie erledigen alle Wege des täglichen Bedarfs mit dem Fahrrad. Zum Transport der Kinder besitzt Ina zum einen einen Fahrradanhänger, zum andern auch einen Kindersitz hinten und einen Tragegurt für den Kleinen. Jetzt mit zwei Kindern ist das autolose Leben gar nicht mehr so einfach zu organisieren, zumal die täglichen Wege durchaus bergig zu bezeichnen sind und Ina immer Schwierigkeiten hat, die Zeiten von Arbeit und Kindergarten zu koordinieren. Nicht selten ist sie die letzte, die ihre Kinder vom Kindergarten abholt. Das und auch die Erwartungshaltung ihrer Chefin machen ihr ein schlechtes Gewissen, so dass sie schon ab und zu an die Anschaffung eines Autos nachdenkt. Sie stört die schlechte Infrastruktur für Radfahrer in der Stadt und die geringe Bereitschaft insbesondere von Autofahrern, Rücksicht zu nehmen, mit ausreichendem Seitenabstand zu überholen sowie die Fehleinschätzungen von Autofahrern bezüglich der Geschwindigkeit von Radfahrern.

Wir haben gesehen, dass die Nutzung von Verkehrsmitteln in den meisten Fällen einer stabilen zeitlichen Bindung vor allem an ein Verkehrsmittel folgt. Wenn man ein Verkehrsmittel als tauglich erlebt hat, gibt es gute Gründe, an der Nutzung festzuhalten. Über einen gewissen Zeitraum hinweg, beeinflusst unsere Verkehrsmittelnutzung aber auch das Erleben der Verkehrswelt und ein gedanklicher Rollenwechsel in eine andere Verkehrsmittelnutzerrolle wird schwierig. Insofern kommt es fast in allen Fällen zu stereotypen Wahrnehmungen über die angeblichen Probleme im Straßenverkehr, die in der Regel von anderen Verkehrsteilnehmern ausgehen. Autofahrer beschweren sich über undisziplinierte Radfahrer und zuviele Ampeln und Reglementierungen bez, Geschwindigkeit und Wegführung, ÖPNV-Nutzer nehmen nur passiv am Verkehrsgeschehen teil und konzentieren sich auf die Geschehnisse vor und nach der Fahrt, wie z. B. Pünktlichkeit und Regelmäßigkeit der Abfahrt, Verlauf der Line etc. Radfahrer richten ihre Wege vor allem aus an den baulichen und geografischen Gegenenheiten der Strecke, wie Straßenbelag, Steigungen, Streckenlänge und Befahrenheit. Bei allen Nutzungsprofilen muss unterschieden werden, zu welchem Zweck Fahrten unternommen werden. Diese Unterschiede sind insbesondere beim Autoverkehr und beim Radverkehr spürbar und führen mitunter zu völlig unterschiedlichem Fahrverhalten. Niemand wird bestreiten, dass eine Radtour am Sonntag mit Kindern, sich in Art und Ausprägung von einem Weg zur Arbeit vollständig unterscheidet.

Ziel sollte es folglich sein, möglichst häufig, das eigene Verkehrsmittelnutzngsverhalten zu verändern und abwechselnd so viele Verkehrsmittel zu möglichst unterschiedlichen Verkehrszwecken zu nutzen. Im Fokus dieser Überlegung steht dabei nicht der Verkehrsweg an sich, sonder vor allem die damit verbundenen gedanklichen Prozesse, die dadurch ausgelöst werden, und die zu einer veränderten Wahrnehmung des Verkehrsgeschehens bei jedem einzelnen führen. Wenn ich mit meiner Tochter auf Rädern Sonntags nachmittags auf dem Elberadweg fahre, begegnen uns andere Herausforderungen und Gefahren, als auf ihrem Schulweg oder meinem Weg zur Arbeit. Die Kernthese ist dabei, dass sich Verkehrswahrnehmung zunächst im Kopf abspielt und dass diese recht stabilen Wahrnehmungen am besten mit dem häufigen Wechsel von Verkehrsträgern überwunden werden kann.

Mit dem Rad zur Arbeit

Die Aktion der AOK läuft schon seit dem 1.Juni 2011 und ruft alle Radfahrer, die ihren täglichen Weg zur Arbeit mit dem Fahrrad zurücklegen auf, sich zu beteiligen. Es können auch Teams mit maximal 4 Teilnehmenden gebildet werden. Wir fahren zu viert im Team Sturmvogel und sind noch nicht ganz auf der Zielgeraden. In diesem Zusammenhand entstand auch der folgende Artikel in der SZ.

Mit dem Rad ins Büro

Und dann ist sie da – und bleibt.

Radweg Ende - Lieblingsschild in DD

Radweg Ende - Lieblingsschild in DD

Eines Tages war sie einfach da, diese Baustelle auf der Grundstraße, bergauf. Warum weiss keiner. Offenbar ist das Haus rechts, welches direkt an die Straße reicht baufällig, Eigentumsverhältnisse ungeklärt und dann muss aus Sicherheitsgründen gehandelt werden. Wie so oft, handelt man an den Stellen, derer man habhaft werden kann.Und so ist sie nun da und bleibt. Mal sehen wie lange.

Inzwischen gibt es ein Update zu der Absperrung:
Unter der Grundstraße an dieser Stelle scheint der Untergrund baufällig. Mit o.g. Maßnahme will man verhindern, dass Schwerverkehr (Busse) die Ränder der Grundstraße über Gebühr befahren und damit zu einer weiteren Absenkung des Untergrunds beitragen. Wir bleiben gespannt, die Sache liegt jetzt deutlich über ein Jahr zurück.

Verstoß gegen die Radwegebenutzungspflicht

Das ist das besagt Knöllchen

Knöllchen

Am 19.02.2010 – es war noch halber Winter – befuhr ich die Bautzner Straße vom Albertplatz bis zum Bahnhof Neustadt. Wegen der noch nicht geräumten Radwege (Dresden hat sich entschlossen, alle Radwege im Winter nicht zu räumen, generell) befuhr ich die Straße, als mich auf Höhe der Unterführung in Richtung Hansastraße eine Polizistin aus einem recht knapp überholenden Polizeiauto darauf hinwies, dass ich die Radweg zu benutzen habe und es nunmehr schon seit dem Albertplatz nicht tue. Ich erwiderte daraufhin, es sei nicht ihr Ernst, mich tatsächlich auf die Radwegebenutzungspflicht an dieser Stalle hinzuweisen (Radfahrer kennen die Brückenunterführung am Bhf Neustadt und die dortige Schotterpiste) woraufhin mir die beiden Polizisten unmissverständlich deutlich machten, dass ich anzuhalten habe und den Anweisungen der Polizei Folge zu leisten habe. Angehalten auf dem Seitenstreifen unmittelbar nach der Unterführung machte mir die Polizeit deutlich, ich sei ein Hindernis für die Einpendler aus dem Umland von Dresden, die ja eine schnelle und hürdenfreie Fahrt auf dem Weg zu ihrem Büro erwarteten und mich als Hindernis im Verkehr nicht gebrauchen könnten, woraufhin ich lautstark protestierte.
Nach viertelstündiger Diskussion, fragte mich der nette männliche Polizeibeamte, ob ich mit der Mindeststrafe für die Nichtbeachtung der Hinweise der Polizei einverstanden sei und im Hinblick auf die zu erwartenden Folgen im Anhörungsverfahren der Bußgeldstelle, willigte ich zur Zahlung von 15 Euro ein.
Heute bereue ich es.
Diese Begegnung ist ein Zeichen für den weiten Weg, der in puncto Radverkehrsrealität in Dresden noch gegangen werden muss: Radverkehrsplanung beginnt im Kopf, wenn alles stimmt, ist die Polizei dann auch richtig gebrieft und hat ihr Auge auf die richtigen Themen.

Über dieses Blog

Heute fange ich an, ein Blog zu schreiben über ein Thema, das mich und viele andere tagtäglich interessieren, enervieren, auf die Palme bringen und natürlich auch glücklich machen. Fahrradfahren!
Der ADFC Dresden hat es wieder und wieder auf den Punkt gebracht: Fahrradfahren insbesondere im schönen Dresden beginnt im Kopf und endet oft schon bevor es die Beine erreichen kann.